Ständestaat und NS - Zeit
Zelle im Landesgericht Wien, in der Renner inhaftiert war Renners Interview Postkarte Schärfs an Renner aus dem Lager Wöllersdorf Renners Brief an Prälat Pauker
Seit Renners Rücktritt als NR-Präsident war das Parlament ausgeschaltet. Engelbert Dollfuß regierte mit dem Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetz von 1917. Im November 1933 leitete Renner als Kopf der SP-Rechts- opposition  Bundespräsident Miklas und demokratischen Exponenten der Christlichsozialen Partei einen  „Staatsnot- standsgesetz“-Entwurf zu. Der Nationalrat sollte Dollfuß´ autoritären Kurs legitimieren und Österreichs Unabhängigkeit von Hitler bekräftigen. Dollfuß ignorierte diesen bis zur Selbstaufgabe der SDAP gehenden Kompromissvorschlag. Seit Anfang Feber 1934 verhandelte  Renner erneut zwecks Akzeptanz einer Ständestaatsverfassung. Die  Erhebung vom 12. Feber beendete die Versöhnungsdemarchen abrupt. Renner wurde im Niederösterreichischen Landhaus verhaftet und in das Gefangenenhaus Rossauer Lände, dann ins Landesgericht eingeliefert. Renner rechnete mit dem Schlimmsten. Im Verhör wies er der kompromisslosen autoritären Regierung alle Schuld zu. Nach 100 Tagen würdevoll ertragener Haft wurde Renner am 20. Mai 1934 ohne Haftentschädigung entlassen. Wieder in Freiheit blieb Renner vorerst unter polizeilicher Beobachtung und relativ isoliert. Es wurde ihm genehmigt ab 15. Juli 1934 von Wien nach Gloggnitz zu übersiedeln. Hier arbeitete er viel, vor allem schrieb er viel und hielt seine Korrespondenz aufrecht. Wegen des Attentats auf Dollfuß wurde Renner am 25. Juli 1934 in Gloggnitz für 2 Tage inhaftiert. Er exponierte sich nicht in der Illegalität, kam  aber zu Treffen in Wiener Cafes mit alten Parteifreunden. 1935 nahm er an einem Kongress in Brüssel, 1937 in Paris teil. Renner hatte noch als aktiver Politiker Grundsätze für den „Anschluss“ Österreichs an die Weimarer Republik  ausgearbeitet, wobei er dafür jede Zusammenarbeit für legitim hielt. Er gehörte dem Österreichisch-deutschen Volksbund an, distanzierte sich aber von nazistischer Unterwanderung. Dennoch sah er im Einmarsch Hitlers 1938 die „glücklichste Stunde seines Lebens“. Er bot den Nazis spontan jede Unterstützung bei der Volksabstimmung an und empfahl am 3.4.1938 in einem, wenn auch differenzierten, Interview, mit Ja“ zu stimmen. Renner hatte sein „Anschluss“-Ja nach eigenen Erklärungen nicht unter Zwang abgegeben, wenngleich er unter dem Eindruck möglicher  NS-Repressalien u.a. wegen seines jüdischen Schwiegersohnes stand. In der englischen Zeitschrift „World Review“ begründete Renner im Mai 1938 äußerst engagiert und mutig seine „Ja“- Erklärung. Es sei nicht seine Schuld, dass der Anschluss nicht demokratisch und von einem „unfassbaren Rassenregime“ verwirklicht wurde. Er musste aber einfach vor aller Welt sein „Ja“ zum Anschluss bekennen. Im  Sommer 1938 verfasste Renner die Broschüre „Die Gründung der Republik Deutsch-Österreich, der Anschluss und die Sudetendeutschen“. Die Veröffentlichung unterblieb allerdings, da das „Münchner Abkommen“ Renners Darstellung erübrigte. Renner rechnete mit den Siegermächten von 1918 ab und denunzierte darin auch Anschlussgegner von damals. Das „Münchner Abkommen“  leitete für Renner eine neue weltpolitische Entwicklung ein. Die Kriegslage brachte Renner ab 1942 zunehmend auf Distanz zum NS-Regime.  Zurückgezogen schrieb Renner während des Zweiten Weltkrieges in Gloggnitz an seiner Selbstbiografie sowie am umfassenden Versbuch „Weltbild der Moderne“. In mehreren Briefen an alte Parteifreunde, Regierungskollegen aus den Jahren 1918/20, aber auch an seinen Nikolsburger Schulfreund Prälat Wolfgang Pauker, kritisierte er die Hitler´schen Eroberungskriege. Ein Bekanntwerden dieser Inhalte hätte ihn zweifellos vor das Volksgericht und auf das Schafott gebracht.
Zelle im Wiener Landesgericht
Postkarte Schärfs aus dem Lager Wöllersdorf an Renner
Renners Interview
Renners Brief an Prälat Pauker
Dr. Karl Renner - Museum für Zeitgeschichte, Rennergasse 2, 2640 Gloggnitz - Mail: office@rennermuseum.at - Tel: 02662/42498   Dr. Karl Renner - Museum für Zeitgeschichte, Rennergasse 2, 2640 Gloggnitz - Mail: office@rennermuseum.at - Tel: 02662/42498
(Soweit nicht anders angegeben, stammen die Fotos/Kopien aus dem Renner-Archiv)
Dr. Karl Renner - Museum für Zeitgeschichte Gloggnitz