Michael Arthur Josef Jakob Hainisch wird am 15. August 1858 in Aue bei Gloggnitz geboren. Er ist Sohn von von Michael Hainisch und Marianne Hainisch, geborene Perger, der späteren österreichischen Frauenrechtlerin. Er besucht das Akademische Gymnasium in Wien und maturiert dort. In der Folge studiert er zunächst in Leipzig und inskribiert dann an der Universität Wien. Am 4. 2. 1882 promoviert Hainisch zum Doktor der Rechte und beginnt im selben Jahr mit seiner Gerichtspraxis am Landesgericht Wien. In dieser Zeit ist er neben Engelbert Pernerstorfer, Dr. Heinrich Friedjung und Dr. Salomon Neumann Mitglied von Victor Adlers  sonntäglicher Tarockrunde in dessen Wohnung in der Berggasse in Wien. Anfang 1886 tritt Hainisch den Dienst in der niederösterreichischen Finanzprokuratur an. Am 11. 12. 1886 leiht Hainisch zusammen mit anderen Victor Adler Geld für die Herausgabe der Wochenzeitschrift „Die Gleichheit“ (deren Nachfolgerin ab 7. 12. 1889 die „Arbeiter-Zeitung“ ist) Am 20. 5. 1888 heiratet Michael Hainisch Emilie Figdor. Die Hochzeitsreise führt die beiden nach Oberitalien und in die Schweiz. 1889 organisiert Hainisch Volksbildungsveranstaltungen und wird Mitbegründer der Zentralbibliothek. Wie Ludo Hartmann unterstützt er die Gründung der ersten Volkshochschule Österreichs. In diesem Jahr tritt Hainisch aus dem Staatsdienst aus. In seiner Heimat Gloggnitz fungiert Hainisch mehrere Jahre lang als Bezirksarmenrat und als sehr aktives Mitglied des Gemeinde- ausschusses 1894 hält Hainisch einen viel beachteten Vortrag über das allgemeine Stimmrecht. 1906 vergrößert er sein Gut Jauern durch Zukäufe auf 653 ha und baut es weiter zu einem Musterbetrieb aus. Berühmt wurde seine „Rekordkuh Bella“, die enorme Milchleistungen erzielte. Anlässlich der allgemeinen Wahlen zum Reichsrat 1907 rät Hainisch Pernerstorfer für den Wahlkreis Neunkirchen, Karl Renner als Kandidaten aufzustellen, weil „ein gebildeter Mann dem nächstbesten Schreier“ vorzuziehen sei. Hainisch überzeugt auch viele Intellektuelle, Renner ihre Stimme zu geben. Während der Ministerschaft des liberalen Gustav Marchet 1906-1908 kam die Schulreformdebatte in Schwung. Hainisch vertrat die Meinung, dass es eine gemeinsame Unter-Mittelschule der 10 – 14 jährigen geben solle, die Kindern aus allen Bevölkerungsschichten zugänglich wäre. Kaiser Karl I. lädt Hainisch am 21. 10. 1918 zu einer Privataudienz und will von ihm eine Beurteilung der aktuellen politischen Lage. Diese gibt ihm Hainisch mit dem Zusatz, dass das Manifest des Kaisers  den Zerfall der Monarchie noch beschleunigt hat. Bei der ersten Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten wird Hainisch am 9. 12. 1920 im 5. Wahlgang von den Christlichsozialen unter Leopold Kunschak als Kompromisskandidat ins Spiel gebracht und mit 129 Stimmen (gegen 85 Stimmen für Seitz) auch gewählt. 1924 erfolgt Hainischs Wiederwahl, ohne dass die in Opposition stehenden Sozialdemokraten einen Gegenkandidaten aufstellen. 1928 zieht sich Michael Hainisch von seiner Stellung als Bundespräsident – die er nach allgemeinem Urteil musterhaft versehen hatte - zurück. Die Regierung Schober ernennt Ihn am 26. 9. 1929 zum Minister für Handel und Verkehr. Ohne Rückhalt einer großen Partei kann er sich aber in verschiedenen Fragen nicht durchsetzen und scheidet am 16. 5. 1930 wieder aus der Regierung aus. Michael Hainisch stirbt - von der politischen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet - am 26. 2. 1940.
Michael Hainisch in jungen Jahren Erste Ausgabe der "Gleichheit" vom 15.12.1886 Hainischs Mustergut Jauern
Michael Hainisch
Ludo Hartmann (aus dasrotewien.at)
Michael Hainisch als Handelsminister Mai 1930
Gut Jauern
Michael Hainisch als Bundespräsident
Michael Hainisch als Bundespräsident
Michael Hainisch als Handelsminister Eröffnung der Bahnlinie Birkfeld - Ratten Mai 1930
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