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Karl Renner - Gründer und Kanzler der 1. Republik 1918-1920

Als Folge des Ersten Weltkrieges zerbrach die Habsburgermonarchie im Herbst 1918. Die Provisorische Nationalversammlung fasste am 21. Oktober erste organisatorische Beschlüsse für Deutschösterreich,
9 Tage später wurde Karl Renner zum Leiter der Staatskanzlei bestellt. Renner schuf unverzüglich die verfassungsmäßigen Grundlagen. Durch seine Kompetenz und Aktivität fiel ihm gleichsam von selbst das Amt des Staatskanzlers zu. Am 12. November erfolgte die Ausrufung der Republik.

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Von der Nationalversammlung beanspruchtes Staatsgebiet
der Republik Deutschösterreich

Der neue Staat zweifelte an seiner Selbständigkeit und hoffte auf den Anschluss an das demokratische Deutschland. Mit Länderkonferenzen festigte der Staatskanzler den Zusammenhalt.

Die aus den Wahlen vom 16.2.1919 hervorgegangene neue Koalitionsregierung Karl Renner – Jodok Fink setzte die beispielhafte reformerische Sozial- und Bildungspolitik der Konzentrationsregierung fort.

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Anfang Mai 1919 wurde Renner zum Leiter der Friedensdelegation in St.Germain bestellt. Hier wurde Deutschösterreich mit der Kriegsschuld belastet, als Feindstaat beurteilt und mit dem Anschlussverbot belegt.

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Österreichische Delegation bei den Friedensverhandlungen in St. Germain

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Telegramm Renners aus St.Germain an seine Sekretärin in Wien – selbst einfachste Dinge wurden den Österreichern in Frankreich nicht zur Verfügung gestellt

Österreich verlor Gebiete im Süden und Norden, mit Hilfe Italiens behielt es das Burgenland und die Einheit Kärntens durch Volksabstimmung.

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Zeitungsartikel zum Thema St. Germain – „Rettung des Burgenlandes und Kärntens“


Renner empfahl dem Parlament dem Friedensvertrag zuzustimmen (was das Parlament unter Protest tat). Renner unterzeichnete den Vertrag am 10.9.1919 in Paris.

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Diese Karikaturen geben die negative Stimmung in Österreich zu den Bedingungen des Friedensvertrages sehr gut wieder

Die Koalitionsregierung legte sich nun auf ein Rahmenprogramm fest, ihre Hauptaufgabe bestand in der Vorbereitung einer neuen Verfassung.

Renner beauftragte damit den Juristen Hans Kelsen. Im Bemühen um Kontinuität blieben viele alte Bestimmungen in Kraft, darunter das (in der Folge noch sehr wesentliche) Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz von 1917.

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Renner mit einer österreichischen Delegation zu Ostern 1920 in Rom

Im Sommer 1920 zerbrach die Koalition. Renner wurde Außenstaatssekretär und überließ den Vorsitz im Proporzkabinett Michael Mayr.

Gemeinsam mit dem Komponisten Wilhelm Kienzl schuf Renner die erste Hymne der Ersten Republik.

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Literaturhinweise:
Everhard Holtmann, Sozialdemokratische Defensivpolitik vor dem 12. Februar 1934. In Ludwig Jedlicka und Rudolf Neck, Hrsg., Vom Justizpalast zum Heldenplatz, Studien und Dokumentationen 1927 bis 1938, Wien 1975, S. 113-120.
Siegfried Nasko, Karl Renner, vom Ständestaat zur 2. Republik, in: Die österreichischen Bundeskanzler, Leben und Werk. Hrsg. Von Friedrich Weissensteiner und Erika Weinzierl, Wien 1983.
Rudolf Neck, Hrsg., Österreich im Jahre 1918, Wien 1968.
Karl R. Stadler, Hypothek auf die Zukunft, Entstehung der österreichischen Republik 1918-1921, Wien-Frankfurt-Zürich, 1968.
Günther Steinbach, Kanzler, Krisen, Katastrophen. Die Erste Republik. Wien 2006.

Links:
Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung