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Karl Renner 1918 bis 1930

Renner wird 1918, nach der Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich, zunächst als Leiter der Kanzlei des Staatsrates berufen – in der Folge wird er zum Staatskanzler ernannt. Bei der Ausrufung der Republik kam es zu Tumulten und tätlichen Auseinandersetzungen mit Verletzten und Toten.

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Demonstration vor dem Parlament

In dieser schweren Zeit bewies Renner sein großes Engagement, seine Begeisterung und einen enormen Arbeitseinsatz.

Anfang Mai 1919 wurde Renner zum Leiter der Österreichischen Friedensdelegation in St. Germain bestellt.

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Renner in St. Germain

Die österreichische Delegation hatte bis Ende August nur zweimal die Möglichkeit mit den Alliierten zu verhandeln.

Renner berichtete in Briefen an seine Familie über den Tagesablauf in St. Germain und sorgte sich um die Gesundheit seiner Frau.

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Brief Renners an seine Frau

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Glückwunschtelegramm an seine Frau

Auch Louise Renner machte sich um die Versorgung ihres Mannes in St. Germain Sorgen, wie aus diesem Schreiben an seine Sekretärin "Maltschy" Amalie Pölzer zu entnehmen ist.

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Die Arbeitsbedingungen in St. Germain waren für die Delegation nicht gut. Wie in dieser Depesche Renners zu lesen ist, musste die Delegation sich sogar Schreibpapier aus Wien nachsenden lassen.

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Das österreichische Parlament hat am 6. September 1919 die Bedingungen des Friedensvertrages unter Protest gebilligt.

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Karikatur zum Friedensvertrag

Am 10. September 1919 wurde der Vertrag von Renner vor Clemenceau unterzeichnet.

Bereits im Juni 1920 brach die Koalition in Österreich auseinander.

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Karikatur, die die Stimmung in der Bevölkerung zeigt

Im Burgenland und in Kärnten mussten Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit zu Österreich abgehalten werden. Besonders in Kärnten engagierte sich Renner sehr stark bei Veranstaltungen.

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Abstimmungsplakate

Im Oktober 1920 wurden bei Neuwahlen die Christlich-Sozialen stärkste Partei, Renner zog sich aus der vordersten Front der sozialdemokratischen Politiker zurück. Er arbeitete in Parlaments-Ausschüssen, hielt Vorträge und schrieb viele Bücher und Aufsätze. 

Intensiv widmete er sich wieder dem Genossenschaftswesen. Er war in dieser Zeit Präsident der Großeinkaufsgesellschaft österreichischer Consumvereine (GöC).

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Renner bei einer Genossenschaftstagung

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damalige GöC-Zentrale in der Praterstraße

Im Mai 1921 beschloss der Nationalrat auf Renners Initiative ein Gesetz gegen Preistreiberei und Schleichhandel.

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Gesetzestext

Im Jänner 1922 bemühte sich Renner bei Bundeskanzler Schober für eine rasche Genehmigung zur Gründung der Arbeiterbank (später Bawag).

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Schreiben Renners an Schober

Schober veranlasste tatsächlich, dass die Genehmigung rasch erteilt wurde.

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Schobers umgehende Antwort

Bereits für das volle Geschäftsjahr 1923 konnte die neue Bank einen Geschäftsbericht vorweisen.

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Im sogenannten "Schattendorfer Prozess", wegen der Erschießung von drei Personen Anfang Jänner 1927 durch Frontkämpfer, kam es zu Freisprüchen für die Angeklagten.

 

Als Folge der Freisprüche kam es am 15. Juli 1927 zu Unruhen, bei denen 89 Menschen getötet wurden und der Justizpalast in Brand geriet. Renner fürchtete weitere bewaffnete Zusammenstöße und bemühte sich erfolglos um Verständigung zwischen den Parteien.