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Karl Renner und die 1. Republik 1920-1933

Nach dem Zusammenbruch der Koalition im Sommer 1920 zog sich Renner in den folgenden Jahren politisch zurück. Er nahm an den erbitterten Fehden zwischen rechts und links nicht teil. Er ergriff zwar im Parlament und auf Parteitagen das Wort, schrieb Aufsätze, hielt Vorträge auch im Ausland und gründete die Arbeiterbank und widmete sich dem Genossenschaftswesen - exponierte sich aber nicht.

Die zunehmende Zuspitzung der Lage zu einer bewaffneten Eskalation holte den besonnenen Renner in die Tagespolitik zurück.

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Das "Linzer Programm" heizte 1926 die Gegensätze an. Eine Milderung dieser hätte nach Renner damals jedoch im Vordergrund stehen sollen.

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Hunderte Verwundete und 89 Tote der Unruhen anlässlich des Justizpalastbrandes vom 15. Juli 1927 bestärkten Renners Bemühungen um ein Regime der Verständigung.

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Bei den letzten Nationalratswahlen in der Ersten Republik 1930 wurden die Sozialdemokraten stärkste Partei und stellten daher den Präsidenten des Nationalrates. Nach dem Tod von Matthias Eldersch wurde am 29. April 1931 Karl Renner in dieses Amt gewählt.

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Renner mit Enkelkindern vor seinem Dienstwagen als Nationalratspräsident

1928 und 1931 war Renner erfolgloser Kandidat der Sozialdemokraten für das Amt des Bundespräsidenten.

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Karikatur Renner – Seipel (ca. 1930)

Am 20. Mai 1932 wurde Engelbert Dollfuß Bundeskanzler. Er lehnte eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten ab.

Am 4. März 1933 gab es im Parlament bei einer wichtigen Abstimmung über die Amnestierung von Streikführern bei der Eisenbahn keine Mehrheit. Auf Drängen seiner Fraktion legte Renner sein Amt als Präsident des Nationalrates nieder, damit er als einfacher Abgeordneter mitstimmen könne. Er löste damit eine Kettenreaktion aus. Nach Renner legten die beiden Vizepräsidenten ebenfalls ihre Ämter nieder.

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Dollfuß verhinderte die erneute Wahl eines Präsidenten und schaltete so das Parlament aus. Das noch immer gültige Ermächtigungsgesetz von 1917 gab ihm nun die Möglichkeit, mit Notverordnungen zu regieren.

Literaturhinweise:
Everhard Holtmann, Sozialdemokratische Defensivpolitik vor dem 12. Februar 1934. In Ludwig Jedlicka und Rudolf Neck, Hrsg., Vom Justizpalast zum Heldenplatz, Studien und Dokumentationen 1927 bis 1938, Wien 1975, S. 113-120.
Siegfried Nasko, Karl Renner, vom Ständestaat zur 2. Republik, in: Die österreichischen Bundeskanzler, Leben und Werk. Hrsg. Von Friedrich Weissensteiner und Erika Weinzierl, Wien 1983.
Rudolf Neck, Hrsg., Österreich im Jahre 1918, Wien 1968.
Karl R. Stadler, Hypothek auf die Zukunft, Entstehung der österreichischen Republik 1918-1921, Wien-Frankfurt-Zürich, 1968.
Günther Steinbach, Kanzler, Krisen, Katastrophen. Die Erste Republik. Wien 2006.  

Links:
Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung